Konzertdetails

Trauer und Trost
Kann es Trost geben nach den Schrecken des Holocaust? Wie nähern sich jüdische Künstler im 20. Jahrhundert der Erinnerung an das Erlebte? In den Gedichten und Texten der Nobelpreisträgerin Nelly Sachs kommen in immer neuen Bildern das unermessliche Leid und die Todesangst des Verfolgtseins zum Ausdruck. Dennoch scheint aus der Düsternis auch Hoffnung auf, tragen doch die Wortkompositionen eine poetische Schönheit und Milde in sich, die spüren lassen, dass das Schreiben der Dichterin Trost gab. Die jüdische Komponistin Felicitas Kukuck und der Südkoreaner Isang Yun, der 2017 seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte, ließen sich von ihren Texten zu Werken inspirieren, die diese gegensätzlichen Pole ausgestalten: düstere Klage und trostspendende Hoffnung. Der jüdische Komponist Herman Berlinski, geboren in Leipzig, machte den Holocaust zum Leitmotiv seiner Werke, um zu verhindern, „dass die Zeit die Intensität unserer Erinnerung mildern wird.“ Den modernen Texten und Chorwerken gegenübergestellt wird das Requiem des spanischen Renaissancekomponisten Tomás Luis de Victoria – ein warmer Klangstrom des Trostes, der eine künstlerische Brücke zwischen den Epochen, Kulturen und Religionen schlägt.

 

In seinen Gedenkkonzerten widmet sich der Dresdner Kammerchor regelmäßig der Musik jüdischer Gegenwartskomponisten. Diesmal öffnet die eindringliche Sprache der Dichterin Nelly Sachs das programmatische Feld für Chorwerke des 16. und 20. Jahrhunderts. Die in Weimar lebende Schauspielerin Ute Wieckhorst setzt mit den gelesenen Texten Inseln aus klarer Sprache zwischen den Chorwerken. Ausnahmeposaunist Mike Svoboda ist Solist in "Der Herr ist mein Hirte", in der der Koreaner Isang Yun eine spannungsreiche Collage aus Psalmtext und Nelly-Sachs-Gedicht vertont.
Das Konzert zum Holocaust-Gedenktag findet im Glashof des Jüdischen Museums Berlin statt: Der Innenhof des barocken Altbaus wird überdacht von einer Glas-Stahl-Konstruktion nach einem Entwurf von Daniel Libeskind.


»Trauer & Trost«
Ein Nelly-Sachs-Abend
in Chorklang und Wort

im Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus

 
Hermann BerlinsKi 1910–2001
Miyi ten Roshi Mayim

 

Felicitas Kuckuck 1914–2001
O die Schornsteine / Niemand knetet uns wieder aus Erde und Lehm / O der weinenden Kinder Nacht

 

Isang Yun 1917–1995
Der Herr ist mein Hirte

 

Tomas Luis de Victoria 1548–1611
Missa pro Defunctis a 6


Ute Wieckhorst Rezitation
Mike Svoboda Soloposaune
Wieland Wagner Schlagzeug


Dresdner Kammerchor (Einstudierung: Olaf Katzer)
Hans-Christoph Rademann Leitung


TERMIN
Sa 27.01.2018 / 18:00 Uhr / Berlin / Jüdisches Museum


Tickets
Tickets ab Oktober 2017


gefördert durch die

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